Controlling durch den Einsatz eines Planspiels für Studierende erfahrbar machen

Prof. Dr. Solveig Reißig-Thust und Prof. Dr. Faustino Bauer haben 2015, gefördert durch die Qualitätsoffensive Lehre, ihre Studierenden ein interaktives Planspiel für die Lehrveranstaltung “Instrumente des Controllings“ im Bachelor Studiengang Wirtschaft entwickelt. Damit erleben die Studierenden, wie Kennzahlen aus dem Controlling helfen, ein Unternehmen erfolgreich zu steuern, aber auch wo Grenzen von Kennzahlen als Steuerungsmodell liegen.

Rahmen und Zielgruppe

Im Vordergrund dieses interaktiven, lebendigen Spiels steht das „Lernen on the Job“. In Aufbau, Betrieb und ständiger Verbesserung einer Wertschöpfungskette, in der mit Legosteinen für Kundenbedarfe produziert wird, werden mehrere Geschäftsjahre durchlaufen. Die Durchführung des Planspiels ist – inklusive Pausen – innerhalb einer 4-stündigen Lehrveranstaltung möglich (4 Zeitstunden Gesamtbedarf). Es eignet sich für 15 – 25 Studierende ab dem 2. oder 3. Semester bis hinauf zu Master-Studierenden. Speziell im Feld Controlling und Performance Management eignet es sich gut zur Veranschaulichung von Lehrinhalten wie Kennzahlen und Balanced Scorecard. Vergleichbare Spielmodelle haben wir bereits in der Weiterbildung von Fach- und Führungskräften angewendet.

Kernfragen, die bearbeitet werden

Wie fühlt es sich an, unter Druck und großer Unsicherheit schnell Entscheidungen treffen zu müssen? Wie stellen wir die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser Entscheidungen fest? Welche unterschiedlichen Dimensionen, die das Ergebnis beeinflussen, gilt es zu beachten? Wie bringen wir die Perspektiven von Unternehmensleitung, Kund/innen und Mitarbeiter/innen unter einen Hut? Wie können wir unsere Prozesse verbessern? Wie interpretieren wir unsere Funktionen und Rollen im Unternehmen? Wie können wir systematisch sicherstellen, dass wir unsere wirtschaftlichen Ziele erreichen und wie können diese Ziele mittels Kennzahlen gemessen werden?

Spielablauf

Foto Spielbeginn
Situation zu Beginn des Spiels (Foto: Reißig-Thust, Berlin 2014)

Zu Beginn des Spieles werden die Ziele, der Ablauf und die Regeln durch die Spielleiter dargestellt. Anschließend werden (per Zufall) verschiedene Rollen, z.B. Manager/in, Controller/in, Vertriebler/in, Qualitätsbeauftragte/r, Logistiker/in, Kund/in, Produktionsmitarbeiter/in vergeben. Auch Unternehmensberater/innen und ein/e Investmentbanker/in sind als externe Stakeholder vorhanden.

Im Spielverlauf werden die Abläufe eines produzierenden Unternehmens simuliert und von den Studierenden selbst ausgeführt. Zunächst arbeiten sie in ihren vorgegeben Rollen, die zu gemeinsamer Verantwortung für den Unternehmenserfolg und zur Identifikation mit Zielen und Aufgaben führen. Innerhalb von drei Geschäftsjahren mit jeweils vier Quartalen sollen vorher definierte wirtschaftliche Ziele erreicht werden.

Foto Eindrücke Produktionskette
Produktionskette (Foto: Reißig-Thust, Berlin 2014)

Etliche Herausforderungen, sei es von Kundenseite oder aus interner Unternehmenssicht, sind dabei zu bewältigen, und erfordern eine flexible Anpassung der Abläufe und Strukturen des Unternehmens sowie konstruktive und zielgerichtete Kommunikation. Parallel dazu werden die Resultate mittels der vier Perspektiven einer Balanced Scorecard (BSC) mit geeigneten quantitativen und monetären Kennzahlen in Zeitabschnitten (Geschäftsjahren) gemessen. Vorgegebene Zeiten für Quartale und Reorganisationspausen führen zu Handlungsdruck. Die Studierenden sollen mit Controlling-/Management-Instrumenten ihre Organisation und Performance schrittweise verbessern. Zwischen den eigentlichen Spielrunden besteht Zeit für die Entwicklung von Verbesserungsmaßnahmen.

Die Studieren lernen die bedeutende Rolle von Kommunikation im Unternehmen und Koordination von Schnittstellen zwischen den verschiedenen Fachabteilungen kennen. Insbesondere für das Management gilt es, verschiedene Interessengruppen im Auge zu behalten, für die Motivation der Mitarbeiter zu sorgen und dabei die Unternehmensziele nicht aus dem Auge zu verlieren.

Foto Verhandlungssituation
Verhandlungssituation (Foto: Reißig-Thust, Berlin 2014)

Zwischen Kund/innen und Vertriebsmitarbeiter/innen kommt es zu spannenden Verhandlungssituationen, bei denen Preise und Mengen der Bestellungen besprochen werden. Da eines der wichtigsten Ziele die Erreichung einer hohen Kundenzufriedenheit ist, gilt es sich nach den ständig ändernden Kundenwünschen zu richten, aber gleichzeitig die Kapazitäten und eventuellen Lieferengpässe des Unternehmens zu kennen. Auch hierbei wird die Wichtigkeit einer gezielten Kommunikation deutlich.

Nach Ende des 3. Geschäftsjahres werden die Zahlen im Überblick aufbereitet, Legosteine und Tische wieder in Ordnung gebracht und es folgt eine kurze Präsentation seitens Management und Controlling. Dieser schließt sich eine gemeinsame Diskussion über Spielverlauf und -ergebnis sowie Erkenntnissen der Studierenden an. Diese kann auch mit mehreren Gruppen, die parallel gespielt haben, gemeinsam durchgeführt werden.

Lernerfahrungen

Das Spiel aktiviert die Studierenden schnell, und motiviert sie sich mit ihren Rollen zu identifizieren. Durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis erkennen sie, welchen Einfluss Organisation, Kommunikation, Vorgehensweise und Entscheidungen im operativen Ablauf des Unternehmens auf die Resultate und damit die erhobenen Kennzahlen haben. Sie erleben damit bewusst, wie Ihnen Kennzahlen aus dem Controlling helfen, ein Unternehmen erfolgreich zu steuern, aber auch wo Grenzen von Kennzahlen als Steuerungsmodell liegen.

Die Studierenden entwickeln ein Gefühl für wirtschaftliche Prioritäten und relevante Zusammenhänge, und beeinflussen den Erfolg des Unternehmens zugleich „live“ während der mitunter sehr dynamischen Spielsituationen. Insbesondere die Kommunikation, das Rollenverständnis der Akteure und fallweise interkulturelle Unterschiede haben starken Einfluss auf Spielverlauf und Ergebnisse.

Die Spielleiter müssen die vorgegebenen Zeiten und Abläufe gut im Blick haben, auf charmante Art Druck ausüben und einzelne Akteur/innen – Kund/innen, Berater/innen, Manager/innen etc. – gezielt briefen, damit eine positive Fortentwicklung während des Spiels eintreten kann.

Key Benefits

Foto Evaluation-Feedback
Feedback (Foto: Reißig-Thust, Berlin 2014)
  • Für die Studierenden wird eine realistische Management-Situation hergestellt und mit Lerninhalten aus BWL/Controlling eng verzahnt.
  • Die Lehrenden erhalten einen guten Eindruck zum Verständnisstand der Studierenden für Unternehmensführung und Prozessgestaltung sowie deren Herangehensweise an herausfordernde Situationen mittels Kommunikation und Teamwork.
  • Die HWR und das IMB im Verbund haben ein standardisiertes Lehrinstrument, das für verschiedene Zielgruppen von Bachelor-Frühsemestern bis MBA-Studierenden in internationalen Studiengängen eingesetzt werden kann

Autor/innen: Prof. Dr. Solveig Reißig-Thust und Prof. Dr. Faustino Bauer

 

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