Die „Online, Open and Flexible Higher Education Conference 2018“ an der Universität Aarhus

Quelle: pixabay

Vom 10.10. bis 12.12.2018 war ich für das Projekt ÖV Blended der HWR Berlin bei der OOFHEC, der „Online, Open and Flexible Higher Education Conference“.

Diese jährlich stattfindende Konferenz legte 2018 den Fokus auf „Blended and online Learning: Changing the Educational Landscape“ und wurde von der Universität Aarhus in Dänemark organisiert. Die Teilnehmenden und Vortragenden kamen europaweit aus verschiedenen Hochschulen und Universitäten.

Schwerpunktthemen

Die Schwerpunktthemen der OOFHEC 2018 waren:

  • Blended and online education
  • Accreditation of online education
  • Quality Assurance in Blended and Online Education
  • Short Learning Programmes
  • Open education and MOOCs, European MOOC Consortium
  • Inclusiveness
  • Networked curricula and Virtual Mobility
  • Changing the educational landscape: new competences for teachers

 

Ablauf der Konferenz

Am Vormittag wurde in die Schwerpunktthemen mit Keynotes eingeführt. Besonders erwähnenswert aus meiner Sicht sind die Vorträge von Willem van Valkenburg, der „The European Maturity Model for Blended Education“ vorgestellt hat, sowie von Diana Laurillard, die über „Blended and Online Learning – Changing the Pedagogical Landscape“ gesprochen hat. Die Slideshares von Willem van Valkenburg und Diana Laurillard sind online verfügbar.

Nachmittags wurden die Schwerpunktthemen in jeweils vier parallel stattfindenden Sessions mit interessanten Vorträgen vertieft. Ich hatte die Qual der Wahl, musste mich für jeweils eine der Sessions entscheiden und bekam so leider nur Einblick in einen kleinen Teil der Präsentationen. Ich entschied mich für das Blended Learning, da dieses Thema für unser Projekt von großer Relevanz ist. In 45-minütigen Sessions fanden jeweils drei Kurzvorträge Platz, in denen verschiedenste Modelle, Umsetzungsbeispiele und Forschungsprojekte aus den Hochschulen und Universitäten vorgestellt wurden. Aufgrund der Dichte der Vorträge konnten die Themen jedoch nur angerissen werden. Beim Get Together am Abend bestand jedoch die Möglichkeit, sich mit anderen Teilnehmenden auszutauschen und einige Themen mit den Vortragenden zu vertiefen.

Aarhus am Morgen (eigenes Bild)
Auf dem Campus der Universitet Aarhus (eigenes Bild)
Keynote in der Aula (eigenes Bild)

Interessante Vorträge

Insgesamt fiel auf, dass immer wieder von denselben Herausforderungen und Problemen berichtet wurde, vor denen die verschiedenen Projekte stehen. Das sind die zum Teil hohen Abbrecherquoten bei Blended Learning- sowie Fern-Studiengängen und der Aufbau der E-Learning-Kompetenzen und Fähigkeiten zum selbstorganisierten Lernen bei den Studierenden. Auf Seiten der Lehrkräfte war es vor allem die mangelnde Zeit, um sich Grundlagen der Mediendidaktik sowie die notwendigen digitalen Fertigkeiten anzueignen.

Von den vielen wirklich interessanten Projekten möchte ich zwei kurz vorstellen.

Das Peer Assisted Learning Leadership Programm (PASS) – Ireland

Das Galway-Mayo Institute of Technology in Ireland bietet ein Peer Assisted Learning Leadership Programme an. Studierende der „älteren Semester“ werden zu Studiumsberatern und Ansprechpartnern für die „unteren Semester“ ausgebildet. Das PASS-Programm fördert die Unterstützung zwischen den Studierenden über mehrere Jahre hinweg z. B. im Bereich des kooperativen Lernens.

Bei diesem Programm ergeben sich Vorteile für alle Seiten. Die Studienanfänger finden sich schneller in den Anforderungen und dem Studiumsalltag zurecht, entwickeln ihre Lern- und Lernfähigkeiten uvm. Die PASS-Absolventen wiederum bauen u. a. ihre Führungs-, Präsentations- und Moderationsfertigkeiten auf. Und die Lehrenden bekommen weniger Anfragen der Studierenden im ersten Jahr.

Question bank – Polen

Im Projekt „Question bank“ des Zentrums für Fernunterricht „Centrum Zdalnego Nauczania“ in Krakow erstellten ca. 450 Studierende für das Fach Geschichte im Zeitraum von 4 Jahren einen Fragepool mit ca. 3.500 Fragen für Prüfungen selbst. Die Fragen wurden später für Tests zur Überprüfung des eigenen Wissensstandes, für Online-Tests und für Abschlussprüfungen verwendet.

Sie nutzten dafür das Moodleplugin StudentQuiz-Tool in Moodle, von dem hier auch schon an früherer Stelle berichtet wurde.

Nachdem die Studierenden instruiert wurden, wie sie „gute“ Multiple Choice-Fragen entwickeln können und wie wichtig gute Distraktoren sind, stellten sie ihre Fragen in Moodle ein. Dort wurden sie mit den anderen Peers diskutiert und bewertet. Ob eine Frage am Ende in den Fragepool aufgenommen wurde, entschied jedoch der Lehrende.
Ein Großteil der Studierenden gab bei der nachfolgenden Evaluation an, dass die Erstellung der Fragen zwar viel Zeit in Anspruch nahm, aber der Lehrstoff tiefer verstanden wurde. Niemand fand, dies sei Zeitverschwendung gewesen. Sie waren außerdem motivierter als beim Schreiben von Aufsätzen, die i. d. R. nach Bewertung im Mülleimer landeten. Da sie die Fragen „kannten“, erzeugte das bei den Prüfungen und Klausuren weniger Stress. Aber nicht nur die Studierenden hatten von diesem Projekt Vorteile. Die Lehrenden können auf einen riesigen Pool an Fragen für ihre Klausuren zugreifen und müssen selbst keinen Fragen mehr erstellen.

 

Fazit

Trotz der vielen bestehenden und noch kommenden Herausforderungen herrschte eine entspannte experimentierfreudige Stimmung nach den Prinzipien des „learning by doing“ und „Aus Fehlern lernen“. Gerade deshalb ist ein Austausch auf solchen Konferenzen so wichtig und gewinnbringend. Ich fand die OOFHEC sehr interessant, kann eine Teilnahme nur empfehlen und würde mir wünschen, dass ich das nächste Mal mit meinen anderen drei „Ichs“ anreisen kann, damit ich parallel an allen Sessions teilnehmen kann.

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Bildquellen

  • Aarhus am Morgen (eigenes Bild): Anne Hingst
  • Auf dem Campus der Universitet Aarhus (eigenes Bild): Anne Hingst
  • Keynote in der Aula (eigenes Bild): Anne Hingst

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