“Digitale Demenz” oder macht die Dosis das Gift?

Zitat von Dieter Hildebrandt, „Gedanken zur Zeit: Was passiert gerade in Ihrem Hirn?“, Braunschweiger Zeitung, 12. Dezember 2009

Die digitalen Medien werden immer mehr kontrovers diskutiert. Gibt es jedoch Beweise dafür, dass die Nutzung der digitalen Medien das Gehirn krank macht und zu Demenz führt?

 

Der Prof. Dr. Manfred Spitzer, der die Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Ulm leitet, veröffentlichte im August 2012 sein Buch: “Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen”. Die darin enthaltene Botschaft ist kurz und knapp: “Computer machen süchtig, einsam und dumm.”. Denn durch die Nutzung der digitalen Medien lässt das Gedächtnis nach und die Nervenzellen sterben ab. Prof. Dr. Spitzer bezieht sich mehr auf die Kinder und Jugendlichen, denn die Gefahr für die Erwachsenen ist seiner Meinung nach geringer und die ältere Generation profitiert sogar davon, dass sie sich neuen Herausforderungen stellt und neue Dinge erlernt, die ihre Gehirnzellen noch mal aktivieren und fördern.

Im Buch werden viele Studien aufgeführt, die Beschwerden über zuviel plakative Polemik und eine einseitige Betrachtungsweise sind aber nicht unbegründet.

Der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Michael Madeja äußerte in einem Interview, dass “digitale Demenz” nur ein Werbebegriff sei und keine Verknüpfung zwischen der Nutzung der digitalen Medien und der Gehirnkrankheit herstellt. Zusätzlich stellt Prof. Dr. Madeja klar, dass das Gehirn ein ständig sich umbauendes und anpassendes und damit auch ständig lernendes System sei. Egal was wir machen, wir lernen dazu und verbessern bestimmte Fähigkeiten. Wenn es jedoch zu einseitig wird, werden die vernachlässigten Bereiche schlechter und bauen die erworbenen Fähigkeiten ab (wie das auch bei unseren Muskeln der Fall ist).

Da das Thema sowieso schon kontrovers diskutiert wird, könnte man ewig Pro- und Kontra-Argumente aufzählen.

Fakt ist, dass Computer, Fernseher und Handy zu den täglichen Gebrauchsgegenständen gehören. Außerdem nutzen schon 3/4 der Deutschen das Internet und auch für die Firmen ist der Verzicht auf die digitalen Medien undenkbar. (Quelle: Statista)

Was die Kinder angeht, sollte es jeder für sich entscheiden bzw. die Eltern, die für ihre Kinder sowieso nur das Beste wollen. Die Computernutzung (Lerncomputer (Vtech, Ravensburger und co.)) fördert die feinmotorischen Fähigkeiten und bringt den Kindern auch Spaß und Freude. Natürlich ist es besser persönlich in den Zoo zu gehen und den Kindern die echten Tiere zu zeigen, jedoch kann man das nicht jeden Tag unternehmen und die unterschiedlichen Geräusche schonmal gar nicht so echt nachahmen.

Persönlich interessant fand ich die Gegenüberstellung zum Thema Mediennutzung (pdf) von Prof. Dr. Spitzer und Prof. Dr. Nobert Neuß. Letzterer leitet das Institut für Schulpädagogik und Didaktik der Sozialwissenschaften in Gießen. Dabei pocht Prof. Dr. Spitzer auf seine Meinung, dass die digitalen Medien u. a. zu Verdummung, Oberflächlichkeit im Denken, Sprachentwicklungsdefiziten und körperlichen Schäden führen. Dagegen hat Prof. Dr. Neuß eine eher gesunde Einstellung zu dem Thema (meiner Meinung nach). Er behauptet, dass es von Inhalt und Dauer der Mediennutzung abhängt, und es sei sehr wichtig Medienkompetenz zu fördern um den Kindern die Chancen und Gefahren der Medien aufzuzeigen und zu erklären.

Insgesamt ist es ein sehr interessantes Thema, zu dem verschiedene Meinungen vertreten werden. So scheint es auch Prof. Dr. Spitzer zu sehen, der sein Buch immerhin auch als e-Book anbietet.

Aber eines sollte jedem klar sein: wir bewegen uns in einem Zeitalter, in dem die Technik eine sehr wichtige Rolle spielt und die man in der Zukunft und in fast jedem Beruf mehr oder weniger nutzt und damit richtig umgehen sollte. Deshalb bin ich persönlich der Meinung, dass es völlig in Ordnung ist, die Kinder mit digitalen Medien und auch dem Internet vertraut zu machen. Dazu gehört auch, dass die Erziehungsberechtigten bestimmten, was am Computer gemacht wird, wann und wie lange die Benutzung erfolgt, so kann man die Nutzung altersgerecht anpassen.

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