E-Learning im Bildungswesen

von Adrien Hoepner

Hochschulbildung

Hochschulen haben den Wert von E-Learning bereits vor Jahren erkannt und verwenden adäquate Systeme. Eine Online-Lernplattform ist heutzutage ein wesentlicher Bestandteil der meisten Studienfächer. Sie werden als Nachrichtenplattform, als Kommunikationsplattform sowohl unter den Studenten als auch zwischen Studenten und Tutoren, als Bereich für Speicherung und Austausch von wichtigen Kursmaterialien, als Plattform, wo Aufgaben erstellt, eingereicht und bewertet werden können und für noch vieles mehr verwendet. Es ist also ein einfacher Weg für Studenten, eine klare Übersicht über ihre verschiedenen Kurse, Aufgaben und Leistungen zu behalten und ermöglicht Tutoren in engem Kontakt sowohl mit einzelnen Studenten als auch dem gesamten Kurs zu bleiben. Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie E-Learning die Arbeit von Studenten und Tutoren erleichtern und verbessern kann.

Wer sollte E-Learning verwenden?

Da sich E-Learning und innovative Lernplattformen im Hochschulwesen bereits bewiesen haben, stellt sich die Frage, warum es noch kein fester Bestandteil des gesamten Bildungswesens ist, auf allen Ebenen. Dies schließt Grundschulen, die Sekundarstufen I und II, das Hochschulwesen sowie die Weiterbildung im Berufsleben ein. E-Learning hat viele verschiedene Facetten und kann auf unterschiedlichste Art und Weise genutzt werden. Die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Plattformen wie Moodle bürgt großes Potenzial für alle möglichen Institutionen.

Sekundarstufen I und II

Die Sekundarstufen I und II wären zum Beispiel in der Lage Lernplattformen auf die gleiche Weise wie Hochschulen zu nutzen, nur dass der Inhalt dieser Systeme auf die jeweiligen Bundesländer und Klassenstufen angepasst ist. Die Schüler können zusätzlich auch ein E-Portfolio erstellen. In diesem Portfolio können sie die verschiedensten Informationen über Erlerntes aufzeichnen und so online ihre Lernkurve erstellen. Dieses Portfolio ist nach Klassenstufen geordnet und da es zusammen mit der Lernplattform in das bestehende IT Netzwerk der Schule integriert wird, werden Schülerinformationen (wie zum Beispiel eine Versetzung) automatisch von allen Systemen übernommen.

Der Vorteil für Lehrer auf der anderen Seite ist, dass sie Aufgaben online erstellen und bewerten können, relevante Informationen mit ihren Schülern teilen und so auch Diskussionen und den Austausch unter den Schülern anregen können. Denn normalerweise ist es der Fall, dass sich die Schüler während der Unterrichtszeit sehen und austauschen, jedoch sobald sie nach Hause gehen besteht keine Verbindung mehr. Lernplattformen helfen eine solche Verbindung zu ermöglichen, sodass sich Schüler auch außerhalb der Schule austauschen können. Dieses selbst gesteuerte Lernen ist eine der wirkungsvollsten Lernmethoden und sollte daher wann immer möglich gefördert werden.

Ein Beispiel aus einer Highschool in den USA hat gezeigt, dass bereits einfache E-Learning Methoden einen großen Einfluss haben können. Lehrer haben bestimmte Unterrichtsthemen auf Video aufgenommen und ihren Schülern zur Verfügung gestellt, mit dem Ergebnis, dass die Schule die Durchfallquote ihrer Schüler innerhalb von zwei Jahren von 61,2% auf 10,8% senken konnte (diese Methode nennt sich ‘flipped classroom’).

Grundschulen

Auch Grundschulen sollten E-Learning einführen. Grundschüler haben kein Problem mit Technologie umzugehen, eher das Gegenteil ist der Fall. Sie sind an Technologie und die verschiedenen Geräte gewohnt, sie wurden in eine digitale Welt geboren, somit kann man ihre Fähigkeiten nicht mit denen von älteren vergleichen, da es etwas ganz natürliches für sie ist. Es ist also eigentlich etwas fremd für diese Generation ständig von moderner Technologie wie Tablets, Computern, Laptops, Internet, etc. umgeben zu sein, jedoch wenn sie in die Schule kommen, ist es eine nahezu technologiefreie Zone. Mediales Lernen muss Teil des Bildungssystems sein, um die Herausforderung des 21. Jahrhunderts zu meistern – die Digitalisierung. Da Plattformen wie Moodle etwas zu kompliziert sind für Grundschüler, hat Webanywhere zum Beispiel eine Plattform, ‘Learnanywhere’, entwickelt, welche auf die Bedürfnisse von Grundschulen zugeschnitten ist. Eine einfache Bedienung, Sicherheit und Spaß steht hier im Vordergrund.

Unternehmen

Immer mehr Unternehmen sehen die Vorteile, die E-Learning und Lernplattformen im Vergleich zu traditionellen Schulungsmethoden haben. Unternehmen wie Nike verwenden bereits Systeme, um ihre Angestellten zu schulen. Insbesondere in einem schwierigen wirtschaftlichen Klima, wie wir es derzeit haben, suchen Unternehmen nach Möglichkeiten, um Kosten zu sparen. Einer der größten Vorteile von E-Learning Systemen ist genau das, Kosten sparen. Die Möglichkeit einen großen Teil der Belegschaft zur gleichen Zeit zu schulen, senkt Kosten erheblich. Dies ist selbstverständlich nicht der einzige Vorteil, aber durchaus einer der wichtigsten. Andere Vorteile sind zum Beispiel, dass Schulungen sehr schnell jedem zugänglich gemacht werden können und es ein Weg ist, die Vorgehensweise eines Unternehmens zu standardisieren und die globalen (oder auch multi-lokalen) Aktivitäten aufeinander abzustimmen.

Länder wie die USA (größter E-Learning Markt weltweit) und Großbritannien sind in Bezug auf E-Learning den meisten europäischen Ländern einen Schritt voraus. Online Lernplattformen sind im britischen Bildungswesen zum Beispiel der Standard und nicht die Ausnahme (Webanywhere betreut mehr als 3000 Schulen). In Deutschland gibt es hingegen nur ca. 24 iPad Schulprojekte sowie einige digitale Whiteboards. Dies zeigt deutlich, dass Deutschland in Bezug auf ein digitales Klassenzimmer hinterherhinkt. Nicht nur in diesem Bereich hinkt Deutschland hinterher, sondern auch im Bereich E-Learning in der Wirtschaft. So sind zum Beispiel Spanien und die Beneluxstaaten (neben Großbritannien) die europäischen Länder, in denen die meisten Unternehmen E-Learning verwenden. Deutschland hat also noch einen weiten Weg vor sich, um die Herausforderung des 21. Jahrhunderts, die Digitalisierung, sowohl im Bildungswesen als auch in der Wirtschaft zu meistern.

Wie würden Sie sich E-Learning Anwendungen im Bildungswesen vorstellen oder wünschen? Schreiben Sie einen Kommentar, wir würden uns freuen, die Meinungen der Leser zu diesem Thema zu hören.

Webanywhere Limited
UK Office: +44 1535 60 40 26
Web: http://www.webanywhere.org

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4 Gedanken zu „E-Learning im Bildungswesen

  1. Vielen Dank für diese Zusammenfassung, aber vor allem für den Link zu dem Artikel der Schule in Detroit. In der Tat machen wir an der HWR ausgezeichnete Erfahrungen mit dem “flipped classroom”, wobei mir allerdings weniger wesentlich scheint, dass Teile des Unterrichts aufgenommen werden, als dass die Lernenden beim Lernen mehr Autonomie und Kontrolle erhalten, damit aber auch mehr Verantwortung Für Ihren eigenen Unterricht. D.h. der Schwerpunkt liegt darauf, die “quality time” mit dem Lehrenden während der (physischen) Klassenveranstaltung zu erhöhen. Der Pädagoge Prof Spannagel hat darüber auf diesem Blog berichtet und bloggt auch fortgesetzt zu diesem Thema.— Zu ihrer abschließenden Frage: ganz allgemein bin ich ein Freund eines Szenarios, bei denen sich der Didaktiker/Lehrende für einen einzelnen didaktischen Zweck (beispielsweise Gruppenarbeit, Stoffvermittlung, Stoffreduzierung, Klausur, Präsentation, Problemlösen, usw.) das richtige Werkzeug aus einem Werkzeugkasten aussuchen kann. Eine (Hoch)Schul-Infrastruktur, die so einen Werkzeugkasten unterstützt, sieht natürlich anders aus, als eine, bei der alles auf eine Anwendung (beispielsweise eine Plattform, wie Moodle) geleitet wird.— Vom Standpunktes des Lernenden aus werden zweifellos immer mehr Anwendungen in Form von Apps auf mobilen Endgeräten erwartet, eine Entwicklung, die bisher von Software im Bildungsbereich nur zögerlich unterstützt wird…

  2. Adrien

    Ich stimme Ihnen definitiv zu, dass das eigene Lernen im Vordergrund beim Flipped Classroom steht. Die Meinungen über technologische Hilfsmittel gehen weit auseinander und speziell in Deutschland sind leider noch viele der Meinung, dass diese technologischen Hilfsmittel darauf abzielen, den Didaktiker zu ersetzen. Dies ist natürlich nicht der Fall. Es sind Hilfsmittel, die dem Lehrplan angepasst werden müssen und unterstützend verwendet werden sollen. Es gibt so viele Möglichkeiten Technologie auch im Bildungswesen sinnvoll einzusetzen. Ich denke wir sind auf dem richtigen, wenn auch einem langsamen, Weg in Deutschland.

  3. Lennart Bolduan

    Es gibt einige Ansätze aus den USA und Korea – in denen der gesamte Schulbetrieb zwar in Anwesenheit in der Schule erfolgt, aber ohne Papier und Individuell. (vgl. „A School Without Paper“)
    Dabei geht es darum auf Grundschulniveau Lehrer in Betreuer umzuwandeln. Diese betreuen die Schüler fachübergriefend.

    Das neue: Es wird bewusst ein “gläserner Schüler” erzeugt.
    Die gesammelten Daten erlauben es sogar auf Leistungskurven der Schüler einzugehen (Morgens-Mittags-Nachmittags) und eine individuelle Anpassung von neuem Stoff und Wiederholungsaufgaben, je nach dem wann welcher Schüler am Leistungsfähigsten ist. Dies kann aus den gesammelten Daten herausgelesen werden. (Quelle des Beitrages ein Referat eines Kommilitonen)

    Bsp: Dänemark (http://www.spiegel.de/schulspiegel/daenemark-digital-am-orestad-gymnasium-wird-ohne-papier-unterrichtet-a-858526.html)
    Bsp: Korea (http://www.go-jobware.de/blog/ein-leben-ohne-buecher-und-papier/)

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