Kollaboratives Lesen – neue Zukunft der Lehre?

Quelle: Flickr

Mindestens einmal im Leben hat sich jeder Lehrende die Frage gestellt, wie er/sie die Lehre verbessern, und die Studierenden maximal in den Lernprozess involvieren kann. Einige Tricks und Methoden ergeben sich aus der praktischen Erfahrung, die anderen kann man den didaktischen Büchern entnehmen.

E-Learning leistet zu diesem Thema einen besonderen Beitrag. Auf einer Seite verbessert es und bietet die technische Unterstützung für die bestehenden Lehrmethoden an, auf der anderen Seite macht es die Lehre durch die Entwicklung von neuen Lern-Management-Systemen, Apps, Plug-Ins etc. immer interaktiver.

In diesem kleinen Artikel werde ich über eine relativ neue App berichten, die die aktive Beteiligung der Studierenden im Unterricht fördern soll. Aufmerksam geworden? Dann lesen Sie bitte weiter.

Die App heißt Perusall und fördert kollaboratives Lesen. Damit ist im konkreten Fall gemeint, dass die Studierende Texte online kommentieren bzw. Fragen zum Text stellen können.

Ich werde ein kleines Praxis-Bespiel geben. Stellen Sie sich mal vor:

…Anfang des Semesters, der Lehrende soll seinen ersten Unterricht vorbereiten und überlegt sich, den Studierenden eine Aufgabe vor der ersten Sitzung zu geben. Er möchte, dass die Studierenden einen kurzen Text lesen, der das Basis-Wissen über das Fach vermitteln und die Vorkenntnisse der Studierenden prüfen soll. Gute Idee?

Eigentlich schon. Jedoch bleibt es unklar, wie er es prüfen kann, ob die Studierende den Text wirklich gelesen haben? Außerdem wäre es sinnvoll, Anreize zu setzen, damit die Studierenden überhaupt die Motivation bekommen, sich mit dem Text zu beschäftigen. Die Nutzung von Perusall könnte für beide Seiten von Vorteil sein.

Zuerst wird der Lehrende den Studierenden mitteilen, dass sie den Text lesen sollen. Danach wird er erzählen, dass sie die Möglichkeit haben, diesen Text zu kommentieren bzw. die Aussagen, die sie nicht verstehen, zu markieren und Fragen zu stellen, die er dann entweder im Unterricht oder direkt im Text beantworten kann.

Als Ergebnis:

  • sind die Studierenden in den Lernprozess involviert, und bekommen durch dieses aktive Lesen das Gefühl, dass sie den Lernprozess mitsteuern dürfen, haben mehr Interesse an dem Fach
  • bekommt der Lehrende das Feedback von Studierenden und kann auf Grund dessen seine Lehre verbessern.
Quelle: Flickr

So könnte es im Idealfall geschehen, jedoch klappt es nicht immer in der realen Welt. Und auch hier gibt es Stolpersteine. Nach der Webseite von Perusall, lautet die Hauptidee dieses Projektes, die Textbücher zu nutzen, die entweder in deren Katalog vorhanden sind oder neu bestellt werden können. Die Schwierigkeit ist, dass nicht nur der Lehrende, sondern auch jeder Studierende, der das Buch liest, dafür bezahlen muss. Der Grund: Urheberrechte, Plagiatsprävention etc. Es ist zwar richtig, aber die Hochschule ist genau der letzte Ort, wo die Studierende vieles noch umsonst bekommen können. Da es viele Bücher, auf die die Lehrenden zum Beispiel verweisen, in der Hochschulbibliothek gibt oder der Lehrende selbst Bücher mit sich bringt, oder in das LMS (Lern-Managment-System) hochladen kann. Von diesem Blickwinkel aus kann diese App für das Lernprozess ganz schön teuer werden, weil jeder Studierende während des Studiums im Durchschnitt dutzende von Büchern liest.

Trotzdem gibt es noch einen positiven Aspekt. Der Lehrende hat die Möglichkeit, auf die Perusall-Seite seine eigenen Dokumente hochzuladen und den Studierenden zur Verfügung zu stellen. Ob es nur seine eigene Dokumente sein dürfen, oder auch PDF-Scans aus den Lehrbüchern – ist mir nicht ganz klar geworden. Nichtsdestotrotz macht es die App wieder attraktiver.

Und zum Schluss noch ein Plus-Punkt für Perusall. Die kann in folgende Lern-Management-Systeme integriert werden.

Dafür gibt es entsprechende Einleitungen auf Englisch.

Viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren!

 

Weitere Links:

Perusall – Webseite

Ähnliche App – FeedbackFruits

 

 

 

 

 

 

Print Friendly, PDF & Email

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden