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Tools für qualitative Interviews. Teil 1

Kristina Kuznetcova 8 Dezember 2017 2 Comments

Wie bereitet man ein gutes Interview im Rahmen einer qualitativen Forschung vor? Welche Tools/Apps können dabei helfen, die Daten schnell und ohne Verluste zu erfassen und für eine Analyse aufzubereiten? Hier sind einige Tipps, die Ihnen den Aufwand erleichtern sollen und den Prozess effizienter gestalten können.

Quelle: https://pixabay.com/ Lizenz: CC0

Im Rahmen meiner Masterarbeit muss ich mehrere Interviews durchführen und dafür sorgen, dass die erworbenen Informationen akkurat erfasst und vollständig zur weiteren Analyse vorbereitet werden. Wie man die Interviews konzipiert und die passenden Gesprächspartner auswählt, kann man der einschlägigen Literatur entnehmen. Mit diesem Artikel möchte ich den weiteren Verlauf darstellen. Falls Sie nach einer erfolgreichen Aquise eine positive Antwort auf die Interviewanfrage bekommen und einen persönlichen oder auch telefonischen Gesprächstermin vereinbart haben.

Aufnehmen

Das Interview können Sie sowohl mithilfe von einem Diktiergerät als auch Ihrem mobilen Endgerät (Smartphone, Tablet) aufnehmen. Für die erste Variante gibt es folgende gute Software-Vorschläge (leider ausschließlich für die Android-Nutzer, da ich nur die mit meinem Handy nutzen konnte).

Smart Voice Recorder – eine kostenlose App für Aufzeichnung der persönlichen Gespräche.

Features:

  • Möglichkeit, die aufgezeichneten Dateien vom Media Player zu unterdrücken
  • Aktivierung vom Lautlos-Modus während der Aufnahme
  • Anforderung der Bestätigung beim Abbruch oder Umbenennung der Aufnahme, damit die Daten nicht aus Versehen verloren gehen
  • Möglichkeit, das Mikro zu testen und die Qualität der Aufnahme einzustellen. Bei minderer Tonqualität können Sie damit Speicherplatz sparen und länger aufzeichnen
  • “Skip Silence”- Funktion, deren Ziel ist die sämtlichen akustischen Pausen von vornherein wegzuschneiden.

Beim Testen hat diese Funktion sich doch als ungünstig erwiesen, da einige Textpassagen zusammen mit den Pausen weggeschnitten wurden. Ansonsten war die App im Einsatz tadellos!

Cube Call Recorder ACR  – eine App für die Aufzeichnung der Telefongespräche mit Diktierfunktion, kostenlose Basis-Funktionen, erweiterte Optionen im Premium-Account.

Features:

  • Aufzeichnung nicht nur ein- und ausgehender Telefonate, sondern auch Messenger-Gespräche (Skype, WhatsApp, Telegramm, Slack etc.) das Letzte auch auf einem Tablet
  • recht einfache Bedienung
  • Audioformat “amr”, die weiteren in der Premium-Version
  • automatische oder manuelle Aufzeichnung jedes Anrufs ab sofort
  • Möglichkeit, die Listen der Kontakte zu erstellen, mit denen alle Anrufe entweder aufgezeichnet oder umgekehrt nicht aufgezeichnet werden müssen
  • Markierung und Filtern der Anrufe
  • Öffnen der Kontakte und Rückruf direkt aus der App
  • Möglichkeit, die Aufnahmen in einem integrierten Datei-Explorer zu verwalten, abzuspielen, im laufenden Betrieb zu löschen oder auf andere Dienste oder Geräte zu exportieren, z.B. via E-Mail, Dropbox, Google Drive etc.

Auch ohne Premiumversion können Sie die App gut für Ihre Ziele nutzen: als “amr” sofort ab dem Anrufbeginn speichern,  in Dropbox, Google Drive etc. direkt exportieren und auf dem Rechner für Transkribieren bereit stellen. Was die Qualität der Aufnahme angeht, war sie sehr gut, besonders im Vergleich zu den anderen Call Recording Apps (z.B. Call recorder und Record my call). Beim Testen dieser beiden Apps hat sich herausgestellt, dass sie leider nur für kurze Anrufe bis max. 5 Minuten geeignet sind. Bei längeren Anrufen wurde zwar alles aufgenommen, jedoch bei Wiedergabe mit sehr hohen Geschwindigkeit abgespielt, so dass man das Gespräch nicht verstehen konnte. Das wäre bei einem ausführlicheren Telefon-Interview die Auswertung erschweren oder gar unmöglich machen.

Rechtlicher Hinweis: um ein Gespräch aufzeichnen zu dürfen, besonders bei einem Telefonat, brauchen Sie unbedingt die Einverständnis von Ihrem/r InterviewpartnerIn. Diese Einverständniserklärung ist nachweislich zu dokumentieren.

Quelle: https://pixnio.com/, Lizenz CC0

Transkribieren

Die Interviews zu transkribieren ist ein zeitlich aufwendiger Prozess, vor allem weil man das ganze Gespräch noch einmal oder sogar mehrmals anhören muss. Jedoch ist es unvermeidlich, wenn Sie die Schlussfolgerungen für die Auswertung transparent machen wollen. Nach meinem Kenntnisstand ist die Technik noch nicht soweit entwickelt, um Audiodateien direkt in editierbaren Text umzuwandeln. Allerdings kann sie den Prozess erleichtern.

Im Internet habe ich einige Software-Vorschläge für den Prozesse des Transkribierens gefunden. Die zwei Folgenden habe ich persönlich getestet.

Express Scribe  von NCH für Windows und Mac mit kostenlose Basis-Funktionen und erweiterten Optionen im Premium-Account.

Features:

  • Variable Wiedergabegeschwindigkeiten (tatsächliche, langsame oder schnelle)
  • Audioformate: MP3, WAV, WMA, AIFF, MP2, VOX, weitere- in der Premium-Version
  • beliebige Dateilänge der transkribierten Audiodatei
  • Unterstützung eines professionellen USB-Fußschalters, um die Hände frei zum Tippen zu machen
  • „Abkürzungstasten“ für die bessere Steuerung der Wiedergabe beim Transkribieren in anderen Programmen (Stoppen, Vor- und Zurückspulen etc.)
  • Andocken von analogem oder digitalem Sprachrekorder, um Aufnahmen zu laden
  • Kompatibilität mit Microsoft Word und anderen gängigen Textverarbeitungsprogrammen, Spracherkennungssoftware wie Dragon Naturally Speaking, um automatisch Sprache in Text umzuwandeln und mit dem FastFox Textbaustein-Programm zur Eingabe medizinischer / juristischer Begriffe und allgemeiner Begriffe mittels Tastenkombinationen.

Lassen Sie sich nach der Installation durch eine “roboterhafte Begrüßung” nicht abschrecken! Die Software hat viele gute Funktionen, die das Transkribieren enorm erleichtern. Das Ganze ist in einem Fenster zusammengefasst, in das Sie mittig direkt den Text eintippen und unten die Aufnahmedatei konfigurieren. In einer Übersicht über Transkribierung-Programme gab es eine Anmerkung zu dieser Sofware, dass das Programm ungefragt eine ganze Liste von Software-Installationsvorschlägen ins Windows-Startmenü bringt.  Dieser Hinweis hat sich jedoch beim Testen nicht bestätigt.

f4transkript von Audiotranskription für Mac, Linux und Windows.

Features:

  • intuitive Benutzeroberfläche
  • Start und Pause über die namensgebende F4-Taste
  • weitere “Abkürzungstasten” für Vor- und Zurückspulung, Beschleunigen oder Verlangsamen der Abspielgeschwindigkeit bei konstanter Tonhöhe
  • Möglichkeit einen automatischen Rücksprung bei jedem Pausieren einzustellen
  • Anzeigeformat der Audiodatei in Wellenform, wodurch man Sprechpausen erkennt und per Maus annavigiert
  • Möglichkeit in Word oder Open-Office zu transkribieren, da die Steuerungstasten als Global Hotkeys fungieren
  • Zeitmarken am Anfang oder Ende eines Absatzes (automatisch oder manuell), hilfreich zur Nackontrolle für die Abspielung der zugehörigen Gesprächsstellen
  • automatische Sprecherwechsel, während nach jedem Absatz einer der beiden vordefinirten Sprechernamen eingefügt wird
  • Möglichkeit, Videointerviews zu transkribieren
  • maximale Länge der Audiodatei in der kostenlosen Version – 10 Minuten, in der Pro-Version – unbegrenzt
  • Unterstützung einer größeren Anzahl von Fußschaltern

Nach dem Testen habe ich einen sehr guten Eindruck von dieser Software bekommen. Obwohl die Free Version nur begrenzten Funktionsumfang bietet, kann man meiner Ansicht nach seine Ziele damit erreichen. Das Problem der Einschränkung von Audiolänge habe ich mithilfe von Camtasia gelöst (bei Bedarf kann eine andere Bearbeitungsprogramm für Audiodateien genutzt werden). Ich habe das Interview jeweils in bis zu 10 Minuten lange Abschnitte geteilt und der Reihe nach im Programm transkribiert. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt.

Die beiden Programme erleichtern den Prozess der Transkription erheblich. Welches der beiden vorgestellten Programme Sie bevorzugen, können Sie selbst entscheiden – ich halte beide für geeignet. Ich persönlich habe mich wegen seiner intuiniven Benutzeroberfläche und Bedienungsfreundlichkeit für f4transkript entschieden.

Auswerten

to be continued…

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2 Gedanken zu „Tools für qualitative Interviews. Teil 1“

  1. Katharina Gapp sagt:

    Vielen Dank für die Zusammenstellung der nützlichen Tools.
    Das ist sicher hilfreich! Ich werde den Beitrag für meine Studies in moodle verlinken.

  2. Mechthild Stier sagt:

    Ich habe den Cube Call Recoder benutzt und er ist echt super! Tolles Tool! Leider weiß ich nur nicht so richtig, wo ich den Ordner mit der Aufnahme finde.

    Viele Grüße

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