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OER: “We don´t need no Qualitätssicherung!” – Oder doch?

Lisa Rosenbaum 4 Dezember 2017 No Comment

Eine Frage, die auf dem OER-Festival die vergangenen Tage immer wieder aufgeworfen wurde, ist die der Qualität: Wer garantiert die Qualität von OER-Materialien? Wer ist für die Qualitätssicherung zuständig? Was wird gebraucht, um qualitativ hochwertige OER zu erkennen? Wenn Richtlinien eingeführt würden, wer bestimmt diese?

https://open-educational-resources.de/wp-content/uploads/oerde17_Logo_Festival.png

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Die zentrale Frage, die sich herauskristallisiert, ist, ob die Qualität von OER ein Selbstläufer durch die Community ist oder ob es irgendeiner Prüfung durch eine Instanz oder Redaktion bedarf. Es gibt im Bereich der OER für die Hochschullehre zwei Gruppen: die Lehrenden und Lernenden. Für Lehrende stellt sich als Nutzer die Frage, auf welche OER-Materialien sie sich verlassen und stützen können sowie welche Materialien sie guten Gewissens an Studierende weitergeben können bzw. wo man OER hoher Qualität finden kann. Wenn Lehrende zu Produzenten von OER werden, entstehen Reibungspunkte wie beispielsweise das Teilen mit anonymen Fremden, die Befürchtung, für Veränderungen durch Andere zur Rechenschaft gezogen werden zu können oder der Angst, etwas nicht gänzlich wissenschaftlich Fundiertes zu veröffentlichen. Lernende hingegen müssen sich darauf verlassen können, dass die OER, die sie im Internet finden, fachlich korrekt sind. Bei Unsicherheiten wird doch letzten Endes die Lehrperson zu Rate gezogen. Und was ist, wenn das OER-Material vertrauenswürdig scheint, aber von den Lehrinhalten (bspw. Fachbegriffen) des Dozierenden extrem abweicht?

Sie merken, dass es viele offene doch weitreichende Fragestellungen rund um OER und deren Qualität gibt. Da wir uns innerhalb der Hochschule nach wie vor in dem klassischen Rollenverhältnis von Lehrendem und Lernendem befinden, gibt es wohl keinen Weg um die Initiative einer diesen beiden Gruppierungen herum. Einerseits könnten die Lernenden über den Buchrücken hinaus in die weite Welt des Internets  schauen und auf die Suche nach interessanten OERs gehen, diese dann in den Unterricht mit einbringen und sie zur offenen Diskussion stellen. Spiegelt es nicht einen sehr guten Wissensstand wider, wenn ein Fehler oder eine Ungenauigkeit von den Lernenden festgestellt werden kann? Was für eine Selbstsicherheit muss für Lernende erst entstehen, wenn man das OER-Material weiterentwickelt und danach wieder in die Community zurückspielt? Genau das könnten ebenso Lehrende fördern. Man könnte die Aufgabe geben OERs zu suchen, zu reflektieren und ggf. weiterzubearbeiten. Andererseits könnten Lernende selbst OERs erstellen und zur Verfügung stellen. In jedem Falle muss sich vor allem die Lehrperson darauf einstellen, mit vielem Unbekannten konfrontiert zu werden. Einer Angst vor dem Neuen sollte dabei jedoch nicht entstehen, sondern die Freude an der eigenen Weiterentwicklung und dem Abweichen von eingefahrenen Lehrpfaden.

Die Frage nach der Qualität von OER kann ebenfalls sehr allgemein betrachtet werden. Wie beurteilt man Qualität überhaupt? Zur Feststellung bedarf es einer kritischen Betrachtung. Im Grunde befindet man sich in einer Grauzone, in der fortwährend das Problem umherschwirrt, wem letztendlich zu glauben ist: Genießen die Lehrpersonen, die Lehrbücher renommierter Verlage oder viel rezensierte OER-Materialien mein größtes Vertrauen? Eigentlich ist man doch selbst die letzte Instanz der Qualitätskontrolle. Haben wir außerdem nicht überall das Problem der Qualität? Nur weil etwas mit Tinte auf Papier gedruckt wurde, ist es nicht automatisch fachlich korrekter als Worte, die jemand innerhalb eines OER-Materials verwendet hat. Wahrscheinlich stellen wir OER viel zu sehr ins Misstrauen hervorrufende Rampenlicht, wenn es um Qualität geht. Ich halte es für einen großen Schritt nach vorn, wenn wir bei OER-Inhalten nicht mehr von Qualitätssicherung, sondern von Qualitätsentwicklung ausgehen würden. OER sollte nicht direkt abqualifiziert, jedoch auch nicht automatisch auf einen Thron gehoben werden. Weiterhin ist es doch wesentlich einfacher, Inhalte in einem OER zu ändern, als gedruckte Bücher zu verändern. Wenn wir es als Chance ansehen, gute Lehr- und Lernmaterialien gemeinsam zu entwickeln, dann haben OER eine große Zukunft vor sich. Nur muss zu Anfang jeder einzelne über seinen eigenen Schatten springen und offen für OER sein.

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