Zweites Leben

Das Sommerloch ist eine Gelegenheit, etwas abgefahrenere Lernumgebungen zu präsentieren – heute: virtuelle 3D-Umgebungen: umfassende Beispiele, auch Kurse, über Lehrversuche in “Second Life” (SL) gibt es auf dem von IBM und SL gesponsorten “Second Life Grid“. Mittlerweile gibt es auch ein zweites Deutschland. Eines reichte eben nicht…

Seit ca. 1 Jahr habe ich selbst auch ein Büro in SL, auf “Aya’s Rock“. Einfach einen Account holen, und im “Search” nach “Birkenkrahe” suchen, mir dann eine “IM” (Internet Message) schicken, die ich kriege, auch wenn ich nicht gerade eingeloggt bin. Mein virtuelles Büro hat einen Pool, deutlich mehr Platz als mein reales Büro, sowie einen Seeblick… den ich sonst in Berlin nicht kriegen kann! Angefangen hat diese Reise für mich vor 15 Jahren, als ich einen der (den?) ersten virtuellen Kurs lehrte – in einer textbasierten Umgebung namens MOO. Thema: die Programmiersprache C++. Bis heute argumentieren Praktiker, dass textbasierte Umgebungen möglicherweise Lernen besser unterstützen als 3D-Umgebungen – siehe Forschung von GATECH professor Amy Bruckman.

Meine eigenen ersten Versuche im letzten Semester, Studenten als Teil mehrerer Semesterprojekte ins SL zu holen, waren begrenzt erfolgreich. Die Projekte waren zwar ziemlich gut, aber wirklich virtuell unterrichtet habe ich dort (noch) nicht. Dabei bin ich überzeugt, das sich zumindest ein Teil des E-Learning in den virtuellen Welten abspielen wird – und zwar im wörtlichen Sinne, nämlich “spielerisches” Lernen, anstatt Wissensvermittlung. Das ist genau der Trick. Im MOO hat das (damals) gut funktioniert, und die Präsenz vieler Dozenten im SecondLife weist ebenfalls darauf hin.

Hier ist eine Übersicht aller in SL tätigen Lehranstalten (soweit sie angemeldet sind). Häufig sind Schulseiten noch besser als universitäre Angebote. Beispiel: Math-Playground – in SL vertreten auf Edu-Island, wo es noch viele andere Resourcen gibt. Z.B. diese Präsentation zu Moodle.

Seit Juni 2008 ist auch die Universität Hamburg in SecondLife vertreten – mit einer eigenen Insel (“private island”), die aber öffentlich zugänglich ist: dort sehen wir das Hauptgebäude der Uni, in dem sich ein voll ausgestatteter Hörsaal befindet, im Foyer und vor dem Gebäude präsentieren sich aktuelle Forschungsprojekte, und gegenüber steht eine Bühne mit Schlagzeug, Synthesizer und Lichteffekten, bei der jeder mal spielen kann (“Sit down to play”).

Im Juli 2008 feierte SecondLife 5-jähriges Jubiläum auf dem Internet. Bei einer (virtuellen) Feierveranstaltung in SecondLife sprach einer der Gründer und Investoren, Mitch Kapor, der für IBM die erste Killerapplication (das Spreadsheet Lotus 1-2-3) entwickelte. Business ohne Spreadsheets ist heute kaum vorstellbar … Kapor erklärt seine Vision des “nächsten Trends” virtueller Welten: die größere Emotionalität der Avatare, der elektronischen Abbilder menschlicher Nutzer, durch mehr Gesichts- und Körperanimation. Die Technologie hierfür steht bereits bereit – mit Hilfe von 3D-Kameras werden eigene Körperbewegungen und Gesichtsausdrücke in SecondLife animiert – ein kleiner Video erläutert das.

Wie geht die Story weiter? Wir wissen es nicht. Ab September werde ich wieder virtuelle Sprechstunde abhalten – vielleicht wird es sogar bald eine “Second FHW” geben?

(Siehe auch: früherer Artikel).

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2 Gedanken zu „Zweites Leben

  1. ein wirklich interessanter artikel – vielen dank! die “artwork”, die dort über den schirm flimmert, ist positively entrancing.

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