Intercampus Werkstattgespräche – Design Thinking mit Prof. Dr. Anja Grothe

Foto Prof. Anja Grothe, Design Thinking Prototyp “Fahrrad-Trasse” am Kottbusser Tor
Wie schafft man es als Lehrende die Studierenden zu aktivieren und andere Lehr- und Lernformen auszuprobieren? Frischen Wind verleiht Frau Prof. Grothe ihrer Lehrveranstaltung “Innovationsmanagement” und probierte mit Studierenden Design Thinking in einem Pilotprojekt aus. In einem Intercampus Werkstattgespräch am 10. Oktober ließ Prof. Dr. Anja Grothe die TeilnehmerInnen direkt selber ausprobieren, wie Design Thinking wirkt und erfrischt!

Was sind Intercampus Werkstattgespräche?
An der HWR Berlin werden im Rahmen des Projekts “Neue Lehr- und Lernformen”, einem Teilprojekt der “HWR Berlin Qualitätsoffensive”, regelmäßig interne und externe Experten in einem Werkstattgespräch eingeladen, um über innovative Lehrformen zu berichten. Am 10. Oktober gab es eine Einführung und interaktive Anwendung der Methode Design Thinking durch Prof. Anja Grothe. Tanja von Frantzius moderierte souverän durch die Abendveranstaltung, die bei Brezeln und Getränken ihren Ausklang fand.

Warum Design Thinking in der Lehre?
Design Thinking (DT) ist ein Ansatz zur Gestaltung von innovativen Angeboten und zur Lösung komplexer Problemstellungen. In der Essenz orientiert sich die Vorgehensweise an der intuitiven Arbeitsweise von Designern und verbindet diese mit den analytischen Methoden aus verschiedenen Disziplinen. Der Ansatz „Design Thinking“ stützt sich auf langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet der Produktentwicklung und orientiert sich stets am Mensch als Nutzer. Bei dieser kreativen Methode, die auch für die Innovationsentwicklung in Unternehmen und Organisationen eingesetzt wird, erarbeiten interdisziplinäre Teams in fünf zeitlich begrenzten Phasen Lösungen für eine Problemstellung. Die HPI School of Design Thinking in Potsdam und die Dschool der Stanford Universtity sind als legendäre Schmieden der innovativen Methode bekannt.

Was vermittelte der Vortrag/Workshop?
Ca. 20 TeilnehmerInnen – ProfessorenInnen, Lehrpersonal, MitarbeiterInnen und Studierende der HWR – saßen an vier Tischen im Veranstaltungsraum verteilt. Nach kurzer Begrüßung durch Frau von Frantzius erklärte Frau Prof. Grothe in einer 5-minütigen Einführung den Design Thinking Ansatz. Vier Themen (Sommerfest, Weihnachtsfeier, Einführungsseminar sowie Vereinbarkeit von Studium, Arbeit und Familie) waren auf die Tische verteilt, die mit Timern, Post-Its, Metaplan-Karten und Stifte ausgestattet waren. In den folgenden 90 Minuten wurde dann eine stark verkürzte Form des Design Thinking Prozesses jeweils an den Tischen erarbeitet.
Foto: Prof. Anja Grothe – Die ersten vier Iterationen des Design Thinking Prozesses wurden von den TeilnehmerInnen des Intercampus Workshops erarbeitet.

Phase 1. Verstehen: Die Problemstellung wurde von allen TeilnehmerInnen auf Metaplankarten definiert.

Phase 2. Beobachten: Ein klassischer Tagesablauf einer Person aus dem Themengebiet wurde skizziert.

Phase 3. Definieren: Eine Persona aus der Nutzergruppe wurde genauestens definiert. Alter, Lebensumstände, Hobbies, etc. Am Ende hatte jedes Team ein Flipchart mit einer gezeichneten Figur und deren Attributen erstellt. Zudem sollte eine konkrete Frage zur Problemlösung erarbeitet werden, z.B. Thema Sommerfest: Wie sollte ein Event der HWR gestaltet sein, damit Dr. Helge Sommer (Persona = Lehrbeauftragter der HWR) es attraktiv findet?

Phase 4. Ideen bilden: In einem Brainstorming sollten nun 50 Post it’s mit Ideen für die Problemlösung für diese Persona kreiert. Das Team bestimmte am Ende die vier wichtigsten Lösungen und präsentierte diese anhand der Beschreibung der Persona den restlichen TeilnehmerInnen des Workshops.

Wie waren die Erfahrungen in der Lehrveranstaltung?
Frau Grothe erzählte begeistert, wie motiviert die Studierenden des Kurses Innovationsmanagement im Masterstudiengang Energie- und Umweltressourcen von den Design Thinking Tagesworkshops waren! Sechs Personen pro Tisch, ein Moderator pro Tisch – insgesamt sieben Personen waren inkl. Frau Prof. Grothe in die Vorbereitung und Durchführung der Workshops involviert. Besondere Materialien, z.B. Timer für die Design Thinking Workshops, konnten über Mittel der Qualitätsoffensive angeschafft werden und bei Frau von Frantzius ausgeliehen werden. Neben der Stärkung der Fach- und Methodenkompetenz war Frau Prof. Grothe vor allem begeistert davon, wie viel Feuer ihre Studierenden gefangen hatten, nachdem sie in den Design Thinking Workshops ihre Prototyp-Lösungen erarbeitet hatten. Nachfolgend auf den Tagesworkshop konnte Frau Prof. Grothe sieben Hausarbeiten vergeben, die von je drei Personen gemeinsam bearbeitet wurden. Dort wurden verschiedene Iterationsstufen des Design Thinking Prozesses vertieft und z.B. Geschäftsmodelle nach dem Business Model Canvas ausgearbeitet.

Details über das Pilotprojekt von Frau Prof. Grothe sind unter Moodle Design Thinking Frischzellen zu finden.

Lessons learned?
Ich fand den Abend insgesamt sehr spannend! Frau Grothe hat trotz Erkältung einen spannenden Vortrag gehalten und die TeilnehmerInnen aktiv und galant durch den Mini-Design Thinking Workshop geführt. Es wurde nicht nur klar, wie Design Thinking in der Theorie funktioniert, sondern durch das direkte Ausprobieren auch, wie es “wirkt”. Der Mensch als Nutzer stand im Mittelpunkt der Problemstellung, für den eine “visualisierte” Lösung in Form eines Prototypen erschaffen wurde. Eine Methode, die durch kollaboratives Arbeiten und interaktive Übungen zu einer greifbaren Antwort führt.

Last but not least
Als Tischnachbarin hatte ich eine Lehrbeauftragte, die mir berichtete, dass sie aus einem vorherigen “Intercampus Werkstattgespräch” zum aktiven Plenum (Vortrag durch Marcus Birkenkrahe) diese neue Lehrform direkt in ihrem Unterricht ausprobiert hat. Auch der Design Thinking Abend wird sicher den einen oder anderen frischen Gedanken für neue Lehr- und Lernformen bei den TeilnehmerInnen aufwirbeln.

Genau so wirkte dieses Werkstattgespräch: Frisch, neu, direkt zum ausprobieren!

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5 Gedanken zu „Intercampus Werkstattgespräche – Design Thinking mit Prof. Dr. Anja Grothe

  1. Klingt ja toll, ich bin richtig neidisch, dass ich an dem Termin nicht konnte. Besonders gut finde ich, dass ein aktuelles Problem aus dem Hochschulmanagement als Beispiel für die Prozessübung diente. Ich würde mir nicht nur wünschen, dass wir diese Methode in der Lehre stärker einsetzen, sondern ich glaube, ich werde das im nächsten Semester einfach mal ausprobieren! Vielen Dank! Was mich noch interessieren würde: siehst du irgendwelche Nachteile, d.h. wann ist Design Thinking nicht ratsam als Problemlöseprozess?

  2. Anja Grothe

    Hallo Marcus, Nachteile sehe ich keine, du brauchts aber eigentlich schon diesen einen Tag und recht viel Vorbereitung und die studierenden brauchen dann den Praxistest ihrer Prototypen, damit das ganze zwar ein Spaßeffekt hat aber auch ernst genommen wird als kreatives Lösungstool.
    Das aktive Plenum interessiert mich aber auch sehr, ich werde mich darum mal kümmern und wenn du was hast dazu, lass es mir bitte zukommen.

  3. Birgit Weyer

    Hallo Anja,
    auch ich finde es schade, dass ich nicht teilnehmen konnte. Vielleicht kannst Du mich bei nächster Gelegenheit, wenn es passt, zu einem Workshop mitnehmen? Ich würde gerne mehr über die Methode lernen und werde mich vorab im Netz schlau machen.
    Vielen Dank für Deinen Einsatz in unserem Projekt “Innovation in der Lehre”.

  4. @Anja zum Aktiven Plenum enthält mein Wiki-Protokoll am Ende ganz viele relevante Links, insbes. den Video von Prof Spannagel.

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