Podiumsdiskussion – Zukunft der Onlinelehre an der HWR Berlin

Im Rahmen unserer Vortragsreihe

Online Event – Lehre: digital, medial, planen, durchführen

fand am Donnerstag dem 17. Juni 2021 eine Podiumsdiskussion zur Zukunft der Onlinelehre an der HWR Berlin statt. Ins Podium eingeladen wurden Vertreter/innen aus allen Fachbereichen und Statusgruppen der HWR Berlin. Unsere Vizepräsidentin Frau Prof. Dr. Susanne Meyer übernahm die Moderation.

Schon vor dem Termin erreichten uns klare Anforderungen der Lehrenden:

  • Ich bin der Meinung, dass wir alles, was wir mühsam in den letzten Monaten erreicht haben, nicht wieder verlieren werden. Natürlich war die digitale Lehre (und vor allem die technischen Schwierigkeiten) eine große Herausforderung für uns alle, aber wir haben alle große Fortschritte gemacht, die wir weiterhin beibehalten sollten. Die HWR Berlin soll qualitativ hochwertige und dauerhaft verfügbare digitale Lehrformate unterstützen.
  • Die digitale Lehre hat die verfassungsrechtlich verbürgte Freiheit der Lehre und des Studierens zu berücksichtigen. Wenn die Lehrenden es wünschen, sollten sie die Möglichkeit haben, digitale Lehrformate in ihrer Präsenzlehre zu integrieren. Diese Freiheit sollte auch für geschlossene Studiengänge (wie der Studiengang Rechtspflege des FB 4) gelten.
  • Die HWR Berlin hat die notwendige Infrastruktur zum Erhalt dieser Wahlfreiheit finanziell und organisatorisch abzusichern und umzusetzen.
  • Digitale Lehre und Präsenzlehre sollten gleichgestellt werden (d.h. Anrechnung der digitalen Lehre auf das Deputat).

Das Thema der Podiumsdiskussion interessierte viele Lehrende unserer Hochschule. So war die Veranstaltung dann auch sehr lebendig. Nicht nur die Teilnehmenden auf dem Podium konnten ihre Ansichten zur Zukunft der Onlinelehre an der HWR Berlin einbringen, auch im Chat gab es viele wichtige Beiträge die von Frau Prof. Meyer aufgegriffen und mit den Teilnehmenden diskutiert wurden.

Alle Teilnehmenden stimmten darin überein, dass die Pandemie alle Lehrenden zwang, Neues schnell und umfassend auszuprobieren. Den daraus erwachsenen Schwung gilt es mitzunehmen.

Eine Umfrage am Anfang der Veranstaltung zeigte, dass der Wunsch nach weiterer Onlinelehre mehrheitlich besteht:

Umfrage Zukunft OnlinelehreDiese Aussage bestätigte sich im Austausch. Eine Mischung von Online- und Präsenzanteilen wird allgemein als förderlich betrachtet.

Blended Learning als Wunschlösung

In welchem Maße sich Online- und Offlinephasen abwechseln sollen, bedarf jedoch einer Regelung. Es besteht ein absoluter Konsens darüber, dass die Hochschule als Begegnungsstätte für Studierende unabdingbar ist. Insbesondere das informelle Lernen und das soziale Miteinander zwischen den Studierenden hat – auch für das Erwachsenwerden – eine hohe Bedeutung und kann im Onlineunterricht kaum substituiert werden. Zudem gibt es natürlich Studierende, die in Präsenz besser lernen oder Lehrende, denen das direkte Unterrichten besser liegt sowie Unterrichtsstoffe und -methoden, die nur vor Ort funktionieren. Das Campusleben ist wichtig und wird von vielen Studierenden und Lehrenden ersehnt. Die Vorteile der Onlinelehre sind dennoch unbestritten. In welchem Verhältnis sollen die beiden Lernmöglichkeiten also stehen?

In der Veranstaltung wurden verschiedene Szenarien und Modelle für Planungsansätze entworfen. Poolveranstaltungen mit diversen Wahlvarianten wären denkbar, müssen aber die Gleichbehandlung aller “Prüflinge” sicherstellen. Wie lassen sich auf Studiengangs- und Modulebene bestimmte Grenzen festlegen? Wie kann man rechtliche Rahmenbedingungen umsetzen, die zumindest für die neue LVVO so noch nicht feststehen?

Studierende, aber auch der administrative Bereich der Lehr- und Raumplanung, brauchen Planungssicherheit. Lehrende müssen frühzeitig über veränderte Rahmenbedingungen informiert werden, um die zeitliche als auch methodisch-inhaltliche Kursplanung vorzunehmen.

Lehransätze

Synchrone Lerneinheiten über Videokonferenzsysteme sind nah an der Präsenzlehre und erfordern nur eine geringe Umstellung der Lernmethoden. Studierende schätzen jedoch eher die Flexibilität asynchroner Lehre. Es gilt also zu identifizieren, welche Methoden wann am besten eingesetzt werden sollten und welche Lerninhalte, Module und Prüfungen für Online- und Präsenzlehre jeweils geeignet sind.

In einem Qualitätsdialog sollte man sich laut den Erkenntnissen der Veranstaltung insbesondere mit diesen Themen auseinandersetzen:

  • hochwertige Lehre anzubieten und gemeinsames Verständnis von Onlinelehre zu erarbeiten
  • Peer Learning zu fördern,
  • Eigenschaften der Fachsemester und Fachkulturen zu berücksichtigen,
  • Vielfalt an Lernmethoden zu berücksichtigen
  • eine Auseinandersetzung mit synchroner vs. asynchroner Lehre zu ermöglichen (Methoden wie Inverted Classroom schließt das ein)

Außerdem braucht die Hochschule künftig neue Raumkonzepte und reale Arbeitsplätze für Studierende, um selbstständiges Lernen und Gruppenarbeit zu fördern, aber auch die Teilnahme an synchronen Online-Veranstaltungen organisatorisch zu ermöglichen. Die Hochschulleitung hat diese Themen für ihre weitere Arbeit mitgenommen.

Blick auf die Studierenden

In einem Teil der Veranstaltung ging es um die Bedürfnisse der Studierenden. Auch hier gibt es die Notwendigkeit digitale Kompetenzen zu stärken. Zudem ging es z.B. um Blended Learning als Chance für mehr Teilhabe, um unterschiedliche Methoden für unterschiedliche Lernbedürfnisse und um Erfordernisse und Grenzen des Datenschutzes.

Diana Drechsel erläuterte, dass die Mechanismen der Ungleichheit digital anders ausgeprägt sind und sich außerdem verschieben. Durch die Umstellung ergibt sich jedoch die Chance, als Hochschule die Positionierung so zu gestalten, dass sich Selektionen zukünftig vermindern und Erfahrungen gezielt genutzt werden können, um Potentiale und Risiken analytisch neu zu denken.

Blick nach Außen

Nicht nur die HWR Berlin beschäftigt sich mit Zukunftsszenarien. Beispielgebend stellen wir hier einige Veröffentlichungen dar:

Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung schaut u.a. speziell auf den Hochschulzugang und plädiert für komplexere Auswahlsysteme. Als wichtig erachten sie den Einsatz von Instructional Designern, um Lehrende beim Einsatz digitaler Lehr- und Lernmöglichkeiten noch besser zu beraten. Weitere Abhandlungen werfen einen Blick auf Finanzierungsfragen und das Krisenmanagement der Hochschulen.

Auf den Seiten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gibt es reichlich Verlinkungen und Schriftstücke rund um das Thema “Hochschulen (während und) nach Corona”. Im Mittelpunkt steht bei den meisten Veröffentlichungen aber die operative Durchführung der Lehrveranstaltungen.

In der Podcast-Reihe der Bundesregierung betont Bundesbildungsministerin Anja Karliczek in der Folge “Digitale Bildung”, dass es darum geht, die Bildung weiterzuentwickeln und Digitalität zu verstehen. Auch wenn sich vieles auf Schulen bezieht, kann man grundsätzliche Überlegungen zumindest teilweise in den Hochschulbereich übertragen. Zum Beispiel die Möglichkeit, durch die digitale Bildung die Chancengerechtigkeit neu in den Mittelpunkt zu stellen oder die Überlegungen zur Umstellung der Pädagogik. Mit Mundo, der offenen – und vor allem – länderübergreifenden Bildungsmediathek von lizenzrechtlich und qualitativ geprüften Materialien, ist der Schulbereich uns vielleicht schon einen Schritt voraus. Für die Hochschulen sieht sie einerseits die Notwendigkeit, die Qualität der Onlinelehre weiterzuentwickeln, andererseits die Chance, die Flexibilität der digitalen Lehre zu nutzen. 

Lesenswert ist auch die Kolumne “Hochschulen nach Corona – der urbane Campus als neues Organisationsprinzip von Lehre und Forschung?” von Uwe Schneidewind im Digitalmagazin MERTON des Stifterverbandes für Bildung, Wissenschaft und Innovation. In seinem Artikel geht es um die Chance, jetzt Anpassungen vorzunehmen, um die Vernetzung von Hochschulen / Wissenschaft sowie der Stadt mit ihren Unternehmen neu zu denken und damit einen Standortvorteil gegenüber den wachsenden digitalen Angeboten zu haben.

Die Studie “Entwicklungspfade für Hochschule und Lehre nach der Corona-Pandemie” untersuchte die Situation an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) in Baden-Württemberg. Dabei wurden u.a. Befragungen von Studierenden und Lehrenden zusammengeführt, um daraus gemeinsame Perspektiven abzuleiten. Der Blick in die Zukunft umfasst dabei die didaktische und technische Ebene, den Umgang mit Kommunikation und Interaktion sowie die nötigen Rahmenbedingungen und Strukturen. Daraus – und aus der gezielten Befragung besonders herausragender Lehrender – wurden Leitmotive und Handlungsimpulse abgeleitet. Es handelt sich um eine qualitative Untersuchung mit 86 Befragten. Durch die methodische Auswahl wird eine hohe Gesamtbreite abgebildet.

Die Veröffentlichung “Education Reimagined: The Future of Learning” erschien schon im November 2020, zeigt aber einen etwas internationaleren Blick auf die Materie und schaut näher auf den Zusammenhang mit “Deep Learning”.

Ausblick

Die Podiumsdiskussion hat wichtige Impulse gesetzt, aber auch deutlich gemacht, wie viele neue Arbeits- und Entscheidungswege sich jetzt auftun. Wichtig ist es daher, im Gespräch zu bleiben und Einzelthemen vertieft zu diskutieren.

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Bildquellen

  • Umfrage: eigenes Bild

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